Sommerferien 2013 in Sakiai

Von Petra Sandrock                      

Sakiai. Urlaub in Litauen!? Diese Reaktion erfolgte öfters, wenn ich erzählte, wo wir unseren Sommerurlaub verbringen werden. Als wir die Einladung des Gnadauer Posaunenbundes Sachsen erhielten, zwei Wochen auf Konzertreise zu gehen, waren Björn, unsere Tochter Wibke und ich gleich interessiert. Als Erdmuthe, eine Freundin von mir, sich ebenfalls anmeldete, um mich als Nichtbläserin „moralisch“ zu unterstützen, waren wir uns sicher: dies wird ein toller Urlaub!

19 Stunden Anfahrtzeit waren bei der Ankunft vergessen. Uns erwartete eine Heimanlage, wie sie uns bereits von Fotos bekannt war. Die Stadtmission Marburg unterstützt seit Jahren dieses Kinderheim, das von dem evangelischen Pfarrer Virginijus Kelertas geleitet wird. Die Zimmer waren einfach aber gut, und die litauische Küche schmeckte uns allen. (Zeppelinis sind gefüllte Kartoffelklöße - einfach lecker!) 

Die betreuten Kinder begrüßten uns freundlich und waren dankbar über die Abwechslung. Manchmal begleiteten sie uns bei Ausflügen oder Konzerten. Im überwiegend katholisch geprägten Litauen gibt es nur wenige Posaunenchöre. Daher fanden die 12 Auftritte innerhalb von ganz Litauen guten Anklang. Bei spontanen Auftritten im Freien blieben viele Passanten stehen.

Litauen, das etwas kleiner als Bayern ist, hat sich in den letzen 20 Jahren stark gewandelt.  Ich erwartete insgeheim graue Häuser und veraltete Maschinen zu sehen. Stattdessen fand ich renovierte, wunderschöne Städte wie Kaunas und Vilnius, lange menschenleere Sandstrände zum Baden, das romantische, oft von Nebeln verhangene Tal der Memel und interessierte Litauer, die sich mit neuen Technologien und Denkansätzen auseinandersetzten.

Uns fiel auf, dass die meisten der öffentlichen Bauaufträge, erkennbar an den aufgestellten blauen Tafeln, von der EU finanziert werden. Wie wir bei der Grundsteinlegung des neuen Kinderheimes in Sakiai erfuhren, wird auch hier jeder Bauabschnitt seitens der EU streng überwacht. Die Kosten des Innenausbaus, wie handwerkliche Tätigkeiten, Möbel und Freizeitmöglichkeiten müssen allerdings noch aufgebracht werden.

Ein Land, ein Heim sind im Aufbruch. Es gibt von vielen Seiten Unterstützung. Zusammen mit den EC-SMA , dem Diakonischen Werk der Landeskirche Sachsen u.a. will die Stadtmission Marburg in dem neuen Heim weiteren Kindern Unterkunft schaffen, die meist wegen Vernachlässigung aus ihren Familien geholt werden müssen. 

Was wird noch benötigt? Uns fiel auf, dass die Räume gut gepflegt waren und die Kinder gut betreut wurden. Andererseits fehlt es an Angeboten für die Kinder. Und es fehlt an sinnvoller Freizeitbeschäftigung für die Kinder. Im Sommer lockt ein wunderbarer Badesee vor der Haustür. Ferienjobs für die Jugendlichen gibt es wegen der hohen Arbeitslosigkeit im Lande nicht. Bei den vielen Eindrücken blieb manche Frage offen. Beim nächsten Mal möchten wir uns über die geplante Umstellung in Wohngruppen und der Umsetzung des neuen pädagogischen Konzeptes informieren.